Obermühle Freienorla

Porzellanwerk

Porzellanwerk

Die Obermühle

 Die Orla wurde im Ort zum Betreiben zweier Mühlen genutzt, der „Obermühle“ und der „Untermühle“. Die erste Erwähnung der “Obermühle“ fanden wir im Kirchbuch von Niederkrossen, datiert auf das Jahr 1553. Indirekte Hinweise lassen vermuten, dass sie bereits vor dem Jahr 1350 bestanden hat. Die Ersterwähnung ist im Lehnbuch der Kirche zu Niederkrossen, der sie mit ihren gesamten Liegenschaften im Lehen stand und zinspflichtig war, dokumentiert. Dem Pfarrer aus Niederkrossen hatte sie bei dessen kirchlichen Tätigkeiten in Freienorla jederzeit eine Beköstigung zu bieten, genannt das „Pfarr-Decem“ und der Pfarrei Niederkrossen 1 Taler, 20 Groschen und 9,5 Pfennige Steuern zu entrichten. Weiterhin musste sie für die Instandhaltung eines Übergangs über die Orla (kleiner Steg) sorgen, den der Pfarrer, aus Niederkrossen zum Gottesdienst in der Kirche kommend, nutzte. 1856 erloschen diese Lehen und Pflichten durch eine landesweite Ablösung. Zu lesen ist, dass man 1785 in der „Obermühle“ neben der Getreidemühle  auch eine Ölmühle, ein Sägewerk und eine Tuchweberei betrieb.  Im Jahr 1839 kaufte die Fa. Gottlob Schwabe aus Neustadt/ Orla die „Obermühle“. Die Neubesitzer rissen das alte Gebäude bis auf den Mühlenteil ab. Im vergrößert Neubau wurde eine Wollspinnerei mi 900 Spindeln und Lagerräumlichkeiten eingerichtet, die bald die Produktion aufnahm.  In der Nacht zum 2. Januar 1843 brannte bei einem Großfeuer diese Wollspinnerei samt beträchtlichen Wollrohstoffvorräten ab bzw. aus. Auch das ältere Mühlengebäude mit seiner Mühleneinrichtung wurde ein Raub der Flammen. Die Ursache des Feuers blieb unbekannt. Die gegenüber liegende Sägemühle mit ihren Nebengebäuden erlitt keinen Schaden.  Bereits nach sieben Monaten konnte die neu aufgebaute Wollspinnerei mit neuen Maschinen ihre Produktion wieder aufnehmen. Die Getreidemahlmühle wurde in das erneuerte Gebäude eingebaut. Beide Betriebsteile konnten im Wechsel mit zwei Wasserrädern angetrieben werden. Nach guten geschäftlichen Erfolgen in den Jahrzehnten zwischen 1840 und 1880 führte jedoch 1887 der Druck der internationalen Konkurrenz zur Schließung der Wollspinnerei. Das Anwesen wurde verkauft. Ab 1895 versuchte C.A. Lehmann, Kahla, nach Umbauten im Hauptgebäude ein modernes Sägewerk mit Holzschuhherstellung in Gang zu bringen. Bei den Umbauarbeiten wurde auch die Mahlmühle entfernt. Nach verschiedenen glücklosen Versuchen musste das Anwesen wiederum verkauft werden.

18 fabrik

„Das ehemalige Porzellanwerk Freienorla

 

In diesem Jahr wird das Jubiläum 250 Jahre Porzellan in Thüringen gefeiert. Anlass ist die Erteilung der ersten Konzession zur Errichtung einer Porzellanfabrik.

Im Oktober 1760 erhielt Georg Heinrich Macheleid diese Betriebserlaubnis, die 1762 zur Gründung der Ältesten Porzellanmanufaktur in Rudolstadt-Volkstedt führte. Damit war ein Startschuss gegeben, denn Thüringen konnte sich, aufbauend auf einheimischen Rohstoffen, zum wichtigsten Zentrum der Porzellanherstellung in Europa entwickeln.

Der heutige Saale-Holzland-Kreis hat einen bedeutenden Anteil an dieser Entwicklung, denn hier begann die Porzellanproduktion auch schon im 18. Jahrhundert. Die Gründung einer Porzellanmanufaktur in Eisenberg im Jahre 1796 und Errichtung der Porzellanfabrik Kahla 1843 machten den Anfang.

Am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden im heutigen Saale-Holzland-Kreis weitere Porzellanbetriebe, im Gebiet der heutigen VG “Südliches Saaletal“ die Porzellanfabriken in Laasdorf und in Freienorla.

Obwohl das Freienorlaer Porzellanwerk, wie auch das Laasdorfer, ein kleiner Betrieb geblieben ist, soll seine Geschichte hier in groben Zügen vorgestellt werden.

Nachdem1888 das Kahlaer Pozellanwerk in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war und in großem Umfang Porzellan exportierte, war es für die selbständigen Porzellanmaler in der Umgebung immer schwieriger geworden, an Weißware, d.h. an undekoriertes Porzellangeschirr, zu kommen.

Diese Situation nutzte der aus Norddeutschland kommende Georg Ludolf Bodenstab aus. Er kaufte die ehemalige Freienorlaer Obermühle, die vorher schon in eine Spinnerei umgebaut worden war, und errichtete in diesen Gebäuden eine Porzellanfabrik mit ursprünglich einem Etagenrundofen.

Die Situation war günstig, weil über die 1889 in Betrieb befindliche Orlatalbahn Roh-und Brennstoffe bezogen und die Fertigware versandt werden konnte.

Außerdem bot die vorhandene Wasserkraft die Möglichkeit zur Anlage einer Massemühle, in der Kaolin, Quarz und Feldspat bzw. Feldspatsand zerkleinert und zur Porzellanmasse zusammengemischt werden konnte.

1895 nahm die Fabrik mit 50 Personen den Betrieb auf und lieferte bis 1900 ausschließlich Weißware. Auch die Porzellanmaler in Orlamünde, z.B. Tänzer und Neuckel, benutzten nun vorwiegend Porzellan aus Freienorla.

Im Jahre 1900, nachdem ein weiterer Etagenrundofen erbaut war, wurde eine Malerei in der Fabrik selbst eingerichtet, so dass man nun auch Fertigware liefern konnte. Infolge dessen stieg die Mitarbeiterzahl der Fabrik auf 120 im Jahre 1907 an. Im gleichen Jahr wurde die Firma in eine familieneigene GmbH umgewandelt. Jetzt konnte auch der Bau eines dritten Etagenrundofens in Angriff genommen werden.

Da man zum effektiven Betrieb eines Etagenrundofens etwa 50 Personen benötigte, stieg die Belegschaft der Porzellanfabrik Freienorla auf 170 Mitarbeiter im Jahre 1914 an.

Der Bau des dritten Rundofens bedingte auch andere Investitionen. Die Kapazität der Massemühle war mit der Kapazität der Orla nicht mehr ausreichend. 1911 musste deshalb eine Dampfmaschine zum Antrieb der Massemühle eingesetzt werden.

Aber diese gesteigerte Porzellanproduktion dauerte nur wenige Monate, denn mit Ausbruch des 1. Weltkrieges mussten auch zahlreiche Freienorlaer Porzelliner Soldat werden.

Es kam für die Fabrik in Freienorla noch schlimmer. 1916 musste sie ihre Produktion  auf Weisung des Kohlenkommissars des Deutschen Reiches ganz einstellen, denn für nicht kriegswichtige Industriezweige standen nicht mehr genug Brennstoffe zur Verfügung.

Diese Betriebsruhe dauerte bis 1921. Dann begann man wieder mit der Produktion der Weißware.

In den Jahren danach waren in der Porzellanfabrik Freienorla GmbH meist nur zwei oder drei Brennöfen in Betrieb, so dass man mit einer Belegschaft von 120 Personen (1922 ) auskommen konnte.

Hergestellt wurde normales Gebrauchsgeschirr, ab 1923 vorwiegend Kaffeeservice. Infolge der Weltwirtschaftskrise geriet auch das Freienorlaer Werk in Schwierigkeiten.

1931 musste die Malerei des Werkes aus wirtschaftlichen Gründen verpachtet werden. Kurz darauf kam die Porzellanherstellung erneut zum Stillstand.

Zwei Porzellanhändler aus Koblenz, Benno Frank und Julius Friedheim, kauften das Unternehmen am 23. Januar 1933. Beide waren kurz zuvor mit ihrer Firma in Orlamünde ansässig geworden.

Da beide dem jüdischen Glauben angehörten, hatte ihre Unternehmung wenig Zukunft. Sie begannen mit nur einem Brennofen und 39 Mitarbeitern und produzierten vorwiegend nur Tassen.

Im Oktober 1934 hatte man 49 Arbeiter, darunter 24 Frauen. Im August 1935 wurden 23 Männer und 16 Frauen beschäftigt, im August 1936 waren es jeweils 23. 1937 betrug die „Gefolgschaft“ 75 Personen.

1938 wurden die jüdischen Besitzer im Zuge der „Arisierung“ enteignet. Die Porzellanfabrik Freienorla firmierte nun unter „K. Müller und Co.KG“ und hatte 1940  noch 80 Mitarbeiter.

Am 16. Januar 1942 kam es in der Freienorlaer Porzellanfabrik zu einem großen Brand. Danach sind in der Fabrik vorwiegend Rüstungsgüter produziert worden.

Insgesamt hatte das Unternehmen im Jahre 1945 nur noch 34 Mitarbeiter. Wegen der Mitwirkung an Rüstungsaufträgen gehörte das Porzellanwerk Freienorla zu den ersten Betrieben der Porzellanbranche, die in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands ins Volkseigentum übergeführt wurden.

1946 erfolgte die Wiedereröffnung des Betriebes als „VEB Porzellanfabrik Freienorla“. Der Werkleiter Gräf sorgte dafür, dass dem Freienorlaer Werk die Porzellanfabrik Kleindembach 1950 als Zweigwerk angeschlossen werden konnte.

1951 wurden beide Betriebe der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Glas/Keramik Thüringen in Erfurt unterstellt.

Als im Jahre 1956 der VEB Ostthüringer Porzellanwerke, Sitz Köniz gegründet wurde, kamen die Porzellanfabriken von Freienorla, Kleindembach und Probstzella zu diesem Betrieb, so dass die Produktionssteuerung in Freienorla auf den Stammbetrieb in Könitz überging.

Das Porzellanwerk Freienorla markierte seither mit der dreieckigen Bodenmarke opk.

Als die Thüringer Porzellanwerke mit dem VEB Porzellanwerk Kahla mit Wirkung vom 1. Januar 1964 zum VEB Vereinigte Porzellanwerke Kahla– Könitz  zusammengeführt wurden, war ein Großbetrieb von 1873 Beschäftigten entstanden, von denen etwa 100 in Freienorla arbeiteten.

Als Bodenmarke diente jetzt ein Kreis, dem die Kahlaer Krone und die Bezeichnung Kahla/Könitz eingeschrieben waren.

Eine noch größere Dimension erreichte die Porzellanproduktion in der DDR am 1. Januar 1968, als der VEB Porzellankombinat Kahla gegründet wurde.

Unter Einschluss der bisherigen Betriebe des Unternehmens Kahla/Könitz und der Porzellanwerke in Triptis, Gera-Roschütz, Rudolstadt-Volkstedt und Uhlstädt war ein Unternehmen mit 4321 Beschäftigten entstanden.

Damit war aber auch die Möglichkeit gegeben, technisch veraltete Kleinbetriebe wie Freienorla und Kleindembach stillzulegen. Das Porzellanwerk Freienorla, das 1968 noch 104 Mitarbeiter hatte, wurde stillgelegt. Die dort arbeitenden Arbeitskräfte wurden in Kahla weiter beschäftigt.

Die Immobilie ging 1970 an die Volkseigene Großhandelsgesellschaft Obst, Gemüse, Speisekartoffeln über, die einen Teil des Gebäudes bis zur politischen Wende 1989/ 90 als Konservenlager nutzte.

Nach der Privatisierung des Objektes richtete die Familie Demuth hier ihr Autohaus und ihre Planenfirma ein, die in diesem Jahr Jubiläum feiern können.

Im älteren hinteren Teil der Fabrik blieben die zwei ältesten Etagenrundöfen erhalten. Sie sind auch jetzt noch vorhanden und ringsum soll künftig eine Ausstellung an die 75-jährige Tradition der Porzellanproduktion in Freienorla erinnern.

Dies ist umso mehr zu begrüßen, weil gerade die Geschichte der Freienorlaer Porzellanfabrik die Wirtschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert gut widerspiegeln kann.“

Porzwerk-1990

 

 

 

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