Die Siedlungsgeschichte

 AUS DER FRÜHEN GESCHICHTE VON FREIENORLA

Bodenfunde aus der Spätlatenezeit, also der Zeit um 500 v. Chr., im Flurteil Hahnenborn bekunden die Anwesenheit von Elbgermanen im Bereich der Mündung der Orla in die Saale.

Bereits 1914 und in den Jahren 1967/68 wurde auf dem Ritz ein Hunnenfriedhof (24 Urnen) aus der Zeit um 300 v. Chr. erschlossen.

1959/1963 legte man auf dem Hahnenborn eine Siedlungs- und Begrabungsstätte frei, die in die Urnenfelderzeit ( ca. 1000 v. Chr.) eingeordnet wurde.

Das Entstehen der Siedlung in Tallage wird der frühgermanischen Besiedlung im 4. Jahrhundert nach der Zeitenwende zugeordnet .Eine große Anzahl von Flurnamen belegt den germanischen Ursprung des Ortes, z,B.Kötzling,  Wehlange, das Räth, die Kummel, die Klinge, die Kammerstopfel ,das Tieftal, der Kalkofen, das Sterntal, das Rosental

In einer teilbeschädigten Urkunde von 876 (Bistum Mainz) wird mit seinen Nachbarorten auch Freienorla genannt. Auf das Jahr 1176 n.Chr. datieren Hinweise auf eine Wassermühle an der Orlafurt.

1350 tauchte erstmals urkundlich der Name Vrienorla auf. Einige Holz-Lehmhäuser standen auf dem fruchtbaren Ackerboden.  Die Nachbargemeinden gehörten zum Orlamünder Burggericht, sagen die Historiker. Ob Freienorla je dazu gehörte, ist nicht belegt, meinen die Freienorlaer und behaupten, nie einer fremden Herrschaft Untertan gewesen zu sein. In diesem Jahrhundert soll auch die Kirche mit Kirchhofsmauer im gotischen Stil erbaut sein.

Freienorla unterstand in Verwaltung und Gericht Jahrhundertelang der selbstständigen Grafschaft Orlamünde .Diese ging bankrott und wurde 1344 an die Wettiner verkauft , die die Pflege Orlamünde und Kahla bildeten. 1468 entstand daraus das Amt Leuchtenburg.

In Urkunden des mittelalterlichen Amtes Leuchtenburg heißt es über das Amtsdorf  Freienorla u.a .“Als markgräfliches Lehen waren um 1350 an verschiedene Lehnsleute 1 Holzmarke zwischen Freienorla und Langenorla, ¾ Hufen Landes und ein Zins von 46 Groschen und 12 Hühnern ausgetan.“. 1378 erhielt der Landesherr hier ebenfalls Zinsen und Abgaben. 32 Zinshühner erhielt auch der Pfarrer zu Orlamünde. Das Amt hatte alle Obrigkeit, die Ober- und Niedergerichte, Folge und Frone über alle bessene Männer.

In der Niedermühle zu Freienorla befand sich eine der 4 Schenkstätten des Gerichtes Orlamünde. Die durch Freienorla geführten Verbrauchs- und Bedarfswaren der Orlamünder waren zollfrei, zollpflichtig jedoch ihre Handels –und Marktwaren.

Ehe die 15 Handfröner 1511 ihre Amtsfrone mit Geld ablösten, halfen sie in der Orlamünder Kemenate Getreide messen, Getreide und Malz mahlen und bei der Jagd auf dem Rieseneck. Spannfröner unternahmen Fuhren u.a. auf die Heide und nach Weimar.

Im Erbzinsregister des Amtes Orlamünde von 1457 finden wir für Freienorla 26 „hausgessene“ (besitzende) Männer. Das Türkensteuerregister von 1496 gibt 24Veranschlagte an.

Im Jahre 1524 verfassten die Freienorlaer zusammen mit Orlamünde eine Eingabe an den Kurfürsten mit der Bitte, den Pfarrer und „Bilderstürmer“ Bodenstein , genannt Karlstadt, in seinem Amt zu belassen. Martin Luther versuchte zu schlichten, wurde aber von erbosten Bürgern aus der Stadt vertrieben.

Ein Jahr später, 1525, beteiligten sich die Bauern aus Freienorla, Kleineutersdorf und Langenorla unter der Führung des Bauern Kroneberg aktiv am Bauernaufstand. Die Anführer wurden auf dem Kahlaer Marktpatz hingerichtet.

Lt. Ortschronik der Kirchgemeinde soll Freienorla im Reformationszeitalter bis auf drei Häuser abgebrannt sein.

1547 machte Freienorla von sich Reden. Im Schmalkaldischen Krieg lagerten drei Tage lang Spanier in Freienorla. Sie tranken in der Schenke ohne zu bezahlen. Joachim von Brandenstein, der in kursächsischem Kriegsdienst stand und sich lange Zeit beim Heer des Schmalkaldischem Bundes befand, war nach Oppurg zurückgekehrt. Er führte einen Teil der schnell zusammengetrommelten Kriegsknechte und Bauern gegen die nun vor Freienorla lagernden Spanier an. Dies war ein Haufen Marodeure, die sich vom kaiserlichen Heer abgetrennt hatten und plündernd und sengend durch das Land zogen. Sie wurden vom Trupp des Brandensteiners zwischen dem Weißen Born und dem Vorwerk Schimmersburg im sumpfigen Gelände total vernichtet.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte auch Freienorla viel zu leiden. Im April 1625 quartierten Kroatenkompanien im Dorf, denen Unterkunft und Verpflegung ohne Bezahlung gewährt werden mussten. Im Jahre 1633 lag längere Zeit das Lochausche Regiment im Quartier. Dies musste voll verpflegt werden,  Pferdefutter und die eigenen Pferde der Bauern wurden gefordert. Die Not im Dorf nahm gigantische Ausmaße an.. Das letzte Getreide wurde eingefordert. Als die Bauern vom verantwortlichen Offizier eine Quittung erbaten, erklärte dieser, er habe eine Karbatsche an der Wand hängen, mit der er zu quittieren pflege.

Über Elend und Not in jenen Jahren geben kirchliche Chroniken erschütternde Zeugnisse. Fünf Morde an Einwohnern , zahlreiche Vergewaltigungen , Plünderung und Brandlegung werden erwähnt.. Eingeschleppte Seuchen forderten zahlreiche Todesopfer. Belegt ist, dass im Jahre 1641 31 Menschenleben zu beklagen waren.

Ein Dorfsiegel mit dem Heiligen Laurentius ist seit 1874 nachweisbar. Am Ende des 19. Jahrhunderts erschien im Dorfsiegel die Linde.

Das Dorfsiegel war bis 1952 in Gebrauch.OrtsSiegel

Und was wir sonst noch in Erfahrung bringen konnten:

In der Schenke der  Untermühle übernachteten 1635 zwei streunende Landsknechte, die nach zwei Tagen gen Hummelshain weiterzogen und in Neunhofen den Opferstock der Kirche raubten. Dabei wurden sie gefasst, gerichtlich verurteilt und wenige Tage später auf dem Markt in Neuadt / Orla hingerichtet.

1649 verunglückte in der Untermühle der Müllerbursche Otto Schweinitz  tödlich. Er war mit dem Kopf in die Kammräder geraten.

1723 wurde der Müllersohn Kecke aus der Obermühle wegen Kindesmord in Kahla hingerichtet. Seine mitangeklagte Ehefrau kam frei.

1671hatte Freienorla 31 hausgessene Männer, im Lehns-, Zins und  Fronbuch von 1785 waren es 35.

1795 erfolgte eine topographische Vermessung des Landes, wonach die neuen Grundbücher angelegt wurden,

1740/41 wurden in Freienorla die ersten Kartoffeln angebaut, die anfangs lediglich als Nahrung für Vieh und Wild Verwendung fanden.

1757 liegen Brettloch- und Trautmannsdorfsche Truppen in Freienorla und Kleineutersdorf in Quartier auf ihrem Marsch zum Kampf im Siebenjährigen Krieg.

Am 17. 07. 1757 springt die wildgewordene Kuh der Frau Partschefeld aus Freienorla über das Geländer der Saalebrücke in Kahla hinunter auf den Grieß, ohne sich ernsthaft verletzt zu haben.

1817-20 erfolgt der Straßenausbau im Saaletal zwischen Jena und Rudolstadt nach den Plänen Goethes.

Im November 1890 werden Orla- und Saaleaue von sehr schwerem Hochwasser betroffen. Dabei wurde der 1888/89 vor der Freienorlaer Haltestelle geschüttete Bahndamm weggespült  Danach wurde eine Flutbrücke eingezogen.

1895 vernichtete ein Großbrand die Untermühle mit Schenke und die Gehöfte Schweinitz und Partschefeld.

1903 (29./30.Juni     Brief-bodenst

                                      Brief vom Besitzer Bodenstab

 Gründung der Porzellanfabrik Freienorla GmbH durch Abschluss des Gesellschaftsvertrages
mit den Gesellschaftern Adolf Meyer, Kaufmann in Altwasser u.Georg Bodenstab, Kaufmann in Freienorla